Probetraining

BJJ No-Gi Weltmeisterin in Salzburg

BJJ No-Gi Weltmeisterin in Salzburg

2-mal Gold in Zadar: Fernandas Weg bei der JJIF Weltmeisterschaft im No-Gi & dem Worldcup im Gi

Nach monatelanger Vorbereitung, unzähligen Trainingsstunden und dem unvermeidbaren Gewichtsmanagement ging es vor Kurzem nach Zadar: Die JJIF Weltmeisterschaft im No-Gi und der JJIF Worldcup im Gi standen auf dem Programm. Am Ende mit zwei Goldmedaillen nach Hause zu fahren, ist die schönste Belohnung für die Arbeit der letzten Monate.

Wie sich dieser Weg angefühlt hat und was hinter den Kulissen passierte, hat sie für euch hier aufgeschrieben.

Das Gefühl, wenn die Last abfällt

Es ist ein unbeschreiblich angenehmer Moment direkt nach dem gewonnenen Finalkampf. Einer dieser seltenen Augenblicke im Leben, in denen der gesamte Lebensstress schlagartig abfällt. Man setzt sich in vollkommener Ruhe hin, die Gedanken kommen zum Stillstand und für einen kurzen Augenblick gibt es nichts, worüber man sich Sorgen machen muss. Genau dieses Gefühl der absoluten Klarheit ist einer der Hauptgründe, warum ich Leistungssport betreibe.

Der Kampf gegen die Waage

Wenn mich Leute fragen, was die größte Herausforderung in der Wettkampfvorbereitung ist: Es ist nicht der Kampf auf der Matte. Mein größter Gegner ist die Abwaage am Tag davor. Die 30 Stunden Training pro Woche fallen mir leicht – extrem wird es erst, wenn innerhalb kürzester Zeit 6 Kilo Gewicht schmelzen müssen. Diesmal blieb mir wieder nur ein knallharter 3-Tages-Sprint:

  • Dienstag (2 Tage bis zur Abwaage): Vormittags Explosivkrafttraining, um noch die letzte Wassereinlagerung aus den Zellen zu pressen – da ich die Kohlenhydrate etwas zu spät reduziert hatte. Direkt danach eine intensive Judo-Drilleinheit mit allem, was an Energie noch da war. Abends gab es die letzte Mahlzeit: nur etwas Banane mit Joghurt, um den Magen nicht unnötig zu belasten.

  • Mittwoch (Startgewicht 75,4 kg): Nach einer weiteren Kraft-Einheit am Morgen ging es direkt mit dem Zug nach Wien und von dort ohne Umwege in die Sauna. Eingepackt in Mütze, Jogginganzug und Socken kämpfte ich mich von 73,0 kg auf 71,7 kg herunter.

  • Donnerstag (Der Tag der Abwaage): Da der Körper über Nacht kein Gramm mehr abgeben wollte, standen mir die härtesten 9,5 Stunden seit Langem bevor. Vollständig mit Schwitzcreme eingecremt, darüber Jogging- und Schwitzanzug, ging es auf die Autofahrt nach Zadar. Bei der Ankunft zeigte die Waage 70,2 kg. Nach weiteren 10 Minuten leichtem Joggen war es endlich geschafft: Punktlandung mit 69,5 kg.

Der extreme Durst während so eines Cuts ist unbeschreiblich – aber rückblickend eine wertvolle Erfahrung. Er schaltet den Kopf komplett aus und katapultiert einen direkt in den absoluten Tunnel- und Wettkampfmodus.

Schlüsselmomente auf der Matte

Es gab nicht den einen überragenden Moment, sondern viele kleine Szenen, die sich eingebrannt haben.

Ein absolutes Highlight beim Worldcup war das Halbfinale gegen eine Schwarzgurt-Kämpferin aus der Schweiz. Nach einem geduldigen Aufbau aus der Guard konnte ich meine im Training tausendfach gedrillten Techniken sauber durchsetzen und den Kampf in den letzten Minuten mit einem Straight Ankle Lock vorzeitig beenden. Im Finale gegen Kanada gelang mir erneut ein kompromissloser Kata-guruma, aus dessen Scramble ich mir direkt die Rückenkontrolle sichern konnte.

Eine Situation bei der No-Gi Weltmeisterschaft hat mich auch mental beschäftigt: Im BJJ steht man manchmal vor dem ethischen Dilemma, wenn man spürt, dass beim Gegner Bänder oder Gelenke nachgeben. Lässt man locker, obwohl die Gegnerin nicht abklopft? Oder zieht man durch und wartet, bis die Schiedsrichterin einschreitet? Eine universelle Antwort habe ich darauf bis heute nicht. In diesem Kampf habe ich mich vorsichtig an den Tap herangetastet und das Match schließlich sauber über einen Kneebar beendet.

Mein persönliches Finale-Highlight: Einen schnellen Ankle Pick der Gegnerin konnte ich blitzschnell mit einem Ringerwurf kontern und mir so die entscheidenden zwei Punkte sichern.

Warum die Weltspitze in Salzburg trainiert

Ein Thema liegt mir in diesem Rückblick besonders am Herzen: unser Team. Von außen hört man immer wieder Ratschläge wie: „Du musst nach England, Brasilien oder in die USA ziehen, wenn du an die Weltspitze willst.“

Ich beweise mir jedoch jedes Jahr aufs Neue, dass dieser Weg auch von hier aus funktioniert. Ein Ortswechsel gleicht keine strukturellen Defizite aus – entscheidend ist die Qualität und Einstellung im täglichen Training.

Ich habe das riesige Glück, bei den Groundfightern in Salzburg zu trainieren. Das Spektrum an Talenten auf unserer Matte ist unglaublich hoch; ich werde in jedem einzelnen Sparring an meine Grenzen gebracht. Genau in diesem Umfeld konnte ich meinen eigenen, extrem anpassungsfähigen Kampfstil entwickeln.

Auch wenn man am Ende alleine auf die Matte tritt, steckt hinter jedem Sieg die Arbeit vieler:

  • Die Coaches, die am Mattenrand die Richtung vorgeben und Taktiken anpassen.
  • Die Trainingspartner, mit denen man Stunden beim Drillen verbringt, Probleme analysiert und sich gegenseitig pusht.
  • Die gesamte Trainingsgruppe, die für den Rückhalt sorgt.

BJJ erfordert oft mehr Teamgeist als manche klassische Mannschaftssportart. Ich bin extrem stolz, Teil der Groundfighter zu sein, und freue mich darauf, gemeinsam mit dem Team weiter zu wachsen.

Nächstes Ziel für Fernanda: Der IBJJF Grand Slam – natürlich mit der besten Crew im Rücken!

Sieh dich weiter um